Der verfahrene Karren braucht bald ein Wunder

EINWURF von Wolfgang Wiederstein
Rapid-Trainer Damir Canadi 2017 © GEPA pictures/ Wien Energie
Rapid-Trainer Damir Canadi 2017 © GEPA pictures/ Wien Energie

Die Salzburger haben einen großen Schritt Richtung Titelverteidigung gemacht. Sie dominieren im Frühjahr, haben mit dem 1:0-Sieg bei Rapid nun auch die Altacher distanziert. Salzburg ohne Soriano ist ein anderes Kaliber, aber immer noch stark genug, um verunsicherte Hütteldorfer zu schlagen. 

Rapid hat nicht schlecht gespielt. Vielleicht ist aber gerade das das Alarmierende, denn Grünweiß kommt nicht vom Fleck, seit Wochen hört man nur Durchhalteparolen. Gegen Salzburg hat erneut eine Standardsituation den Ausschlag gegeben, Berishas Freistoß war zu gut geschossen. Den Hütteldorfern fehlt einiges, vor allem aber ein Scharfschütze. Und ein Erfolgserlebnis. Ein netter Trainer und Sportdirektor alleine machen noch keine Punkte. 

Der Karren ist so verfahren, dass bald nur ein Fußballwunder hilft. Salzburg hingegen braucht nicht einmal einen Soriano. 

Sky-Stimmen:

Damir Canadi (Trainer Rapid Wien): „Wir wollten heute unbedingt gewinnen. Auf die Leistung kann man mehr wie aufbauen. Wir haben in fast allen Phasen den Gegner kontrollieren können. Wir haben Situationen geschaffen, in denen wir in Führung gehen können, müssen. Wir haben uns leider wieder nicht belohnt. Es liegt dann an Kleinigkeiten, an einen Freistoß ins Kreuzeck, dass wir das Spiel verlieren.“

…über die Unterstützung der Fans: „Die Fans haben uns hervorragend unterstützt und uns 90 Minuten leidenschaftlich beklatscht. Da ist auch die Leistung der Mannschaft respektiert worden.“

…über die Ergebniskrise: „Es macht uns keinen Spaß und es tut weh. Wir sind Sportler und trainieren die ganze Woche hart und investieren sehr, sehr viel und belohnen uns dann nicht. Wir werden ruhig draufbleiben. Wir haben nicht gegen irgendwen gespielt, sondern gegen Red Bull Salzburg. Wir stehen mit leeren Händen da und das ist Fakt.“

…vor dem Spiel über den Umgang mit dem hohen Druck: „Ich sage auch meiner Mannschaft ganz klar, wir wollen nicht von außen getrieben werden. Das ist da sehr schwer, wir haben viele Fans. Wir haben auch die Medien, welche sehr viel Druck ausüben, gerade auf die Jungs. Das ist auch normal, wenn die Ergebnisse nicht stimmen, dann ist es einfach so. Ich versuche mich zu schützen, indem ich keine Artikel lese.“

Fredy Bickel (Sportdirektor Rapid Wien): „Dass der Kader zu groß ist, wissen wir. Es hätte im Winter schon die eine oder andere Änderung gegeben, das ging leider wegen den Verletzungen nicht. Das hat sich leider auf den Sommer verschoben. Stand heute sind per 1. Juli 29 Spieler unter Vertrag. Sollte es kein Europa-Cup sein, so wie es auch aussieht, dann bleiben 23 im Kader, ansonsten 25. Das ist meine Aufgabe und man muss schauen, wie sich das bewerkstelligen lässt.“

…über den Druck auf die Spieler aufgrund der Kader-Verkleinerung: „Ich erwarte, dass das die Spieler aushalten. Ich denke, es ist wichtig, dass man mit ihnen oft spricht, auch wie es aussieht. Da sind auch schon die einen oder anderen Gespräche verlaufen. Auf die Spieler zugehen, ihnen einen klaren Wein einschenken und sagen wie es aussieht. Das haben sie auch am liebsten.“

Oscar Garcia (Trainer Red Bull Salzburg)…vor dem Spiel über den Abgang von Jonatan Soriano: „Ich hoffe, dass es einige Spieler gibt, die Sorianos Rolle übernehmen.“ …auf die Frage, wie es ihm damit geht, seine besten Spieler zu verlieren: „Das ist die Philosophie des Klubs, damit muss ich leben.“

Valon Berisha (Red Bull Salzburg): „Es war schwierig gegen Rapid bei ihnen zu Hause. Ich denke, wir standen zu tief und haben Rapid spielen lassen. Das machen sie dann sehr gut. Rapid hat auch ein sehr gutes Spiel abgeliefert. Es war schwierig für uns, aber wir haben auch gekämpft, haben gezeigt, dass wir eine Mannschaft sind und wir bis zur letzten Sekunde füreinander kämpfen. Es ist ein sehr geiles Gefühl, dass wir die drei Punkte nach Salzburg mitnehmen.“

…über den Wechsel von Jonatan Soriano: „Das Leben geht weiter. Er war eine große Legende, ein super Spieler und Mensch. Er war vorbildlich für uns alle, für uns junge Spieler und den ganzen Verein. Wir werden ihn vermissen, aber wir wünschen ihm auch alles Gute dort. Ich verstehe es, mit so einem Alter dort hinzugehen und die Karriere dann abzuschließen. Ich denke, es ist eine gute Entscheidung für ihn.“

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Wolfgang Wiederstein (derzeit in Bildungskarenz)
leitet das Sport-Ressort der Tageszeitung „Die Presse“.
  

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Fussball

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