Christin Fiedler – Kickboxen: Die eiserne Lady

World Games Team Austria 2017
Christin Fiedler 2017 © BSO/Leo Hagen
Christin Fiedler 2017 © BSO/Leo Hagen

Weil sie nach der Härte des Vollkontakts lechzte, fand Christin Fiedler in der Mutter aller Kampfsportarten ihre große Leidenschaft. Bei den World Games geht es für die Steirerin etwas sanfter zur Sache – naja, unwesentlich.

„Je härter der Sport, desto größer die Wertschätzung für den Gegner“, behauptet Christin Fiedler, die Österreich bei den World Games im K-1 vertritt, einer Form des Kickboxens, die auch Techniken weiterer Kampfsportarten in sich vereint. Dass man, wie in der Boxszene üblich, Kontrahenten am liebsten herabwürdigt, gebe es in ihrer Disziplin nicht. Schon gar nicht im noch härteren Muay Thai, ihrer eigentlichen Leidenschaft, bei der neben Low Kicks und Schlägen mit dem Knie auch die Ellbogen als Waffe benutzt werden dürfen. „Im Thaiboxen spielen Werte, Rituale, Tradition und Disziplin eine wesentliche Rolle.“ Um dem Gym, dem Trainer, der Familie und dem Gegner die gebührende Hochachtung zu erweisen, beginnt jeder Fight mit dem Kampftanz Wai Khru.  „Man respektiert sich gegenseitig, weil jeder weiß, wie viel Training dahintersteckt und dass die Gegnerin genauso hart für ihre Ziele trainieren muss wie du.“ Auch im thailändischen Nationalsport wird in Breslau um Medaillen gekämpft, allerdings nicht in Fiedlers Gewichtsklasse.

Vom Kampfsportvirus wurde die in Salzburg lebende Grazerin mit 17 infiziert, bei einem einjährigen Aufenthalt als Au-Pair in Irland entdeckte sie das Kickboxen und krönte sich auf der Grünen Insel sogar zum nationalen Champ im Point Fighting. Erfüllung fand die gelernte Kindergärtnerin aber erst im vielseitigeren Thaiboxen, Schmerzen gelten dabei als Part of the Game. „Lebertreffer sind insofern super, weil man dadurch schneller weiter kommt. Aber ich will niemanden verletzen, sondern einfach nur gewinnen.“ Ihre Inspiration holt sich die 32-Jährige bei regelmäßigen Camps in Thailand, wo sie nicht nur im Austausch mit den besten Fightern der Welt ihre Kampfkunst weiterentwickeln kann, sondern auch die Werte des Sports vermittelt bekommt.

Hauptberuflich arbeitet Fiedler als Ausbildnerin, neben dem Training mit Kindern ist ihr vor allem die Leitung einer eigenen Frauengruppe ein besonderes Anliegen. „Unsere Einheiten machen meiner Meinung nach mehr Sinn als jeder Selbstverteidigungskurs, weil das Training härter und nicht nach fünf Wochen vorbei ist. Ich merke auch, wie das Selbstbewusstsein der Frauen schnell steigt.“

Im Sommer muss Fiedler ihre Schülerinnen aber für einige Tage allein lassen, die Teilnahme an den World Games verleiht der aktuellen K-1-Vizeweltmeisterin und EM-Dritten, die 2012 auch WM-Bronze im Muay Tai erkämpfen konnte, ein Gefühl der Dankbarkeit.. „Für unseren oft negativ behafteten und medial nicht sehr beachteten Sport bietet sich die Möglichkeit, sich vor einem breiten Publikum zu präsentieren.“ Der im Vergleich zu allen anderen Titelkämpfen strengere Qualifikationsmodus, den sie trotz frisch geflicktem Meniskus meisterte, hebe die Bedeutung des Events zusätzlich. „Einen Sieg bei den World Games würde ich über einen WM-Titel stellen.“

Weitere Informationen zu den World Games:
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Website: www.theworldgames.org
Website: www.bso.or.at/de/service/world-games-2017
Website: www.theworldgames2017.com

[im Auftrag der BSO]

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Alles Sport

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