Auch WM-Geld stinkt nicht

EINWURF von Wolfgang Wiederstein
© GEPA pictures/ Wien Energie
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Man hatte es schon in den vergangenen Tagen geahnt, jetzt ist es beschlossene Sache. Die Fußball-Weltmeisterschaft wird künftig gewaltig aufgebläht, beim Turnier 2026 werden erstmals 48 statt bisher 32 Mannschaften um den Titel spielen.

Damit hat sich der FIFA-Boss, Gianni Infantino, durchgesetzt. Er hatte die Aufstockung bei seiner Wahl versprochen. Über die aufgekommene Kritik hat er sich hinweggesetzt. Die X-Large-WM hat mehrere Seiten. Am WM-Kuchen dürfen künftig mehr Mannschaften naschen, aber die Gesamtzahl der WM-Spiele steigt damit von 64 auf mindestens 80 Partien. Das geht an die Grenze des Erträglichen – auch für die Spieler, die ohnedies nicht über Unterbeschäftigung klagen können.

Den Anfang hatte die UEFA mit der Aufstockung der Europameisterschaft gemacht, da durfte die FIFA natürlich um nichts nachstehen. Dass die FIFA die Mega-WM forciert, hat einen einfachen Grund: Einem Bericht zufolge wird die Vergrößerung des Turniers um 16 Teams zusätzliche Gelder in der Höhe von über 600 Millionen Euro generieren.

Möglich aber, dass künftig das hohe Niveau von Weltmeisterschaften nicht gehalten werden kann. Obendrein stellt sich die Frage, welche Länder so ein Monster-Turnier noch austragen können – wer soll das bezahlen?

Die FIFA schweigt dazu. Infantino wird aber schon Länder finden, die die notwendigen Millionen irgendwo auftreiben. Quatar ist vielleicht erst der Anfang, Weltmeisterschaften in Europa werden immer unwahrscheinlicher. Weil auch Infantino in erster Linie ans Geld denkt. Er hatte eben gute Lehrmeister…

Wolfgang Wiederstein (derzeit in Bildungskarenz)
leitet das Sport-Ressort der Tageszeitung „Die Presse“.

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Fussball

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