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Ende des 19. Jahrhunderts war die Arbeiterbewegung durch die Bildung zahlreicher Sportvereine maßgeblich an der Entwicklung des Sports und seiner Verankerung in der Gesellschaft beteiligt. Die Vereine bildeten die Ausgangsbasis für Breiten- wie auch Leistungssport.
WAT Margareten: Pionier des österreichischen
Vereinssports
Einer dieser Pioniere, der "Allgemeine Turnverein" in Margareten, wurde 1894 von Mitgliedern des Arbeiterbildungsvereines Gumpendorf aus der Taufe gehoben. Nach dem ersten Weltkrieg erfolgte 1919 der Zusammenschluss von vier Wiener Vereinen, die zu den ältesten der Arbeiter-Turnbewegung zählen: der WAT Margareten war geboren. Der neue Verein erlebte in diesen Zeiten eine neue Hochblüte und war in Europa der Verein mit den meisten Mitgliedern. Ab 1920 spielte der WAT Margareten mit vier Mannschaften der Arbeiterhandballer in der Wiener Meisterschaft. Heute unvorstellbar, mussten damals noch Torpfosten und Querlatten zum Spielfeld am Margaretengürtel getragen werden.
Johann Hefler und der Trick zur Verbesserung der
Fangsicherheit
Nach dem Verbot 1934 durch den Austrofaschismus erfolgte erst nach dem Ende des Nationalsozialismus die Neugründung des WAT Margareten. Dabei ist der Name Johann Hefler untrennbar mit dem Wiener Handballverein verbunden. Bereits nach dem Kriegsende 1945 machte sich der ehemalige Tormann auf die Suche nach Spielern. Da es schwer war, eine komplette Mannschaft zusammenzustellen, stellte sich Hefler selbst wieder zwischen die Pfosten. Er wandte dabei auch den damals üblichen Trick zur Verbesserung der Fangsicherheit an: man spuckte sich Malzzuckerl in die Hände.
Erste nationale und internationale Erfolge
In den fünfziger Jahren wuchs die Sektion dann beachtlich. So gab es 1957 bereits Schüler, Jugend, eine erste, eine Reserve- sowie eine Frauenmannschaft. 1978 qualifizierte sich der Wiener Meister WAT Margareten für das Aufstiegsturnier der Landesmeister in die Staatsliga B. Sechs Siege in sechs Spielen in der PAHO-Halle brachten schließlich den Aufstieg in die B-Liga. Den Schritt in die oberste Spielklasse schafften die Handballer in der Saison 1981/82; seitdem gehören sie in ununterbrochener Reihenfolge dem Oberhaus an, übrigens als einziger Handballclub Österreichs.
Durch den dritten Platz in der Meisterschaft in der Saison 1983/84 qualifizierte sich der Handballverein erstmals für die Teilnahme am IHF-Cup 1984/85. Nach Siegen gegen den holländischen Verein Aalsmer, über den späteren vielfachen französischen Meister USAM Nimes und den schwedischen Traditionsclub Ystad IF musste sich WAT Margareten erst im Halbfinale dem späteren Europacupsieger und Weltklasseteam Baia Mare aus Rumänien geschlagen geben.
Doch auch im Nachwuchs konnte WAT Margareten beachtliche Erfolge erzielen. Zahlreiche Wiener und Österreichische Meistertitel seit 1994 quer durch alle Jugendkategorien zeigen, bei WAT Margareten wird auch die Nachwuchspflege traditionell groß geschrieben.
Der größte Erfolg – Cupsieger
1999
1999 wurde dann ein großes Jahr für den Margaretener Handballclub. Zu Beginn der Saison 1998/99 wurde mit dem russischen Startrainer Anatoli Evtushenko einer der bekanntesten und erfolgreichsten Handballtrainer seiner Zeit verpflichtet. Mit ihm kam auch der so lang ersehnte erste Titel. Zwar scheiterte der Verein nur hauchdünn im letzten Spiel am Meistertitel, doch trotz des Dämpfers bewiesen die Spieler des HC Telekom Austria Nerven und siegten eine Woche später im Cup-Final-Four. Nach dem Kantersieg gegen Tulln behielten die Wiener auch gegen Bruck die Oberhand, gewannen das Finale und krönten sich erstmals zum österreichischen Cupsieger. Michael Gangel wurde die Ehre zuteil, als Handballer des Jahres geehrt zu werden, Anatoli Evtushenko widerfuhr Gleiches als bester seiner Zunft und dem Team, das nach 79 vergeblichen Anläufen ein Handball-Märchen wahr machte, wurde das Prädikat "Mannschaft des Jahres" zugesprochen.
Die neue Halle, Zwei Austro Litauer und zwei Vizemeistertitel
Bis zur Saison 2004/05 lief es dann mit den Platzierungen eher mäßig, es gab einige Trainerwechsel. In der Sasion 2002/03 übernahm Romas Magelinskas der gebürtige Litauer mit österreichischer Staatsbürgerschaft, als Spielertrainer die Verantwortung. Er holt auch den Litauischen Aufbauspieler Vytas Ziura in der Saison 2003/04 nach Margareten. Und endlich war es im Dezember 2003 auch soweit – endlich bekamen die Handballer des WAT Margareten in Margareten ihre Heimhalle. Mit der neuen lange ersehnten Heimhalle machte sich auch merkbar Aufbruchsstimmung breit, alle waren froh nun ein echtes zu Hause zu haben. Es hat sich auch definitiv etwas bewegt. In der Saison 2004/05 und in der Saison 2005/06 konnten die jungen Wilden aus Wien den viel umjubelten Vizemeistertitel nach Margareten holen. Zweimal hieß der Finalgegner A1 Bregenz. Konnten die Vorarlberger 2005 noch in nur zwei Spielen der Best of Three Serie den Sack zu machen, so mussten sie 2006 schon drei Mal gegen die aufopfernd kämpfenden Margaretner antreten. In der Finalserie 2005 lieferte das jüngste Team der Liga den Bregenzern in der Hollgasse einen beherzten Kampf und zwangen die Vorarlberger zwei Mal in die Verlängerung. Doch am Ende des heroischen Kampfes blieb nur der Titel „Meister der Herzen“. Auf den Titel „Österreichischer Meister im Herren Hallen Handball“ wartet der Verein immer noch. Einer der großen Pechvögel der Finalserien 2005 und 2006 war der im Oktober 2005 eingebürgerte Spielmacher Vytas Ziura. Er musste in beiden Jahren bereits im ersten Spiel so schwere Verletzungen hinnehmen, dass er in das weitere Geschehen nicht mehr eingreifen konnte.
Einige Titel gab es in den beiden Saisonen aber doch: Romas Magelinskas wurde 2005 und 2006 zum Trainer des Jahres, Vytas Ziura zum Spieler des Jahres 2005 und Richard Wöss zum Newcomer des Jahres 2006 gewählt. Die Fivers wurden von den österreichischen Sportjournalisten nach 1999 auch 2005 zur Handball-Mannschaft des Jahres gewählt.
2007/08: Erneut „nur“ Vizemeister
2007/08 folgte eine Saison, die zwar gut, aber am Ende doch für manche enttäuschend war. Nach vielen guten Leistungen, beherzten Kämpfen und wahren "Handball-Schlachten" gegen die Teams aus dem Westen reichte es wieder „nur“ zum Vizemeister-Titel. Gut, aber nicht gut genug, obwohl die Fivers die "Meister der Herzen" blieben.
Mit ein Grund dafür, dass es nicht ganz reichte, war eine lange Verletzungsserie, die praktisch alle wichtigen Spieler betraf. Speziell das "Hirn" der Mannschaft Vytas Ziura kämpfte mit Knieproblemen, die am Ende der Saison mit zwei Kreuzband-Operationen behoben wurden.
Zehn Jahre danach: Cup-Titel Nr. 2 ist in der Hollgasse!
Nach 9 Monaten Pause kam Ziura in der Saison 2008/09 wie "Phönix aus der Asche" gerade rechtzeitig zurück, um mit den Margaretnern den zweiten Cup-Triumph nach zehn langen Jahren zu feiern. In der Vorrunde wurde Angstgegner Bregenz souverän eliminiert. Und im entscheidenden Cup-Final-Four in der Hollgasse vor eigenem Publikum kam es zum Showdown: Erst schlugen die Fivers in einem Krimi und vor fanatischen Fans im Halbfinale Hard, dann im Finale nach fulminanter Leistung Innsbruck.
Der Jubel war schier grenzenlos: Die Fivers-Boys stemmten den Cuppokal immer wieder in die Höhe und riefen: "Jawohl!" – "Endlich!" – "Unfassbar! Wir haben’s geschafft". Und machten die Nacht zum Tag...
Nachwuchs top – Nachwuchspokal zum sechsten Mal in Folge in Margareten
Davon abgesehen zeigten die Handballer aus Wien aber einmal mehr, wie eine erfolgreiche Jugendarbeit auszusehen hat: In der Saison 08/09 gewannen die Fivers zum sechsten Mal in Folge den HLA-Nachwuchspokal. Ein Meilenstein für den Sport in Wien. Und da weiterhin viele junge Spieler in die Kampfmannschaft eingebaut werden, braucht man um die Zukunft der Fivers wirklich keine Angst zu haben. Die Mission Meistertitel läuft ... |